Zum Inhalt springen
Schlagwörter:

Niederländische Designprinzipien & Infrastruktur

Das niederländische CROW-Design-Handbuch für den Fahrradverkehr berücksichtigt fünf grundlegende Gestaltungsprinzipien für die Netzgestaltung: Zusammenhalt, Direktheit, Sicherheit, Komfort und Attraktivität. Das Wichtigste an diesen Gestaltungsprinzipien ist ihre Übertragbarkeit: Sie können an praktisch jeden Kontext angepasst werden!Radfahren und Infrastruktur

Fahrradfahren mag wie eine einfache Aktivität erscheinen. Das Radfahren als Verkehrsmittel in einer bebauten Umgebung erfordert jedoch ein perfektes Gleichgewicht zwischen den Radfahrern, der öffentlichen Fahrradpolizei und der Infrastruktur. Dieses Gleichgewicht ist nicht offensichtlich, denn in jedem Kontext gibt es unterschiedliche und viele Variationen und Kombinationen, die unendlich viele Situationen schaffen. Daher hat die niederländische Fahrradbotschaft Schlüsselfaktoren für die Infrastruktur zusammengetragen, die in verschiedenen Kontexten übertragbar und anpassbar sind.

Von sicheren und zusammenhängenden Radverkehrsnetzen bis hin zur Gestaltung von Fahrradabstellanlagen – die Niederländische Radverkehrsbotschaft kann Ihnen die Informationen über Infrastruktur und Fachwissen liefern, die Sie benötigen.

Fünf Gestaltungsprinzipien

Das niederländische CROW-Design-Handbuch für den Fahrradverkehr berücksichtigt fünf grundlegende Gestaltungsprinzipien für die Netzgestaltung: Zusammenhalt, Direktheit, Sicherheit, Komfort und Attraktivität. Das Wichtigste an diesen Gestaltungsprinzipien ist ihre Übertragbarkeit: Sie können an praktisch jeden Kontext angepasst werden!

Kohäsion: Radfahren als Verkehrsmittel bedeutet, mit dem Fahrrad von überall nach überall zu kommen! Eine zusammenhängende Infrastruktur gewährleistet ein einheitliches Netz. Diese Netze müssen den multimodalen Verkehr berücksichtigen. So muss das Radwegenetz die Anzahl der Kreuzungen reduzieren und Verbindungen und Alternativen zwischen Ausgangs- und Zielorten bieten.

Direktheit: Um ein möglichst effizientes Gleichgewicht zwischen Entfernung und Zeit zu erreichen, ist es wichtig, die Umwege für Radfahrer zu minimieren. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, Kurven zu reduzieren, Radfahrern an Ampeln Vorrang einzuräumen und exklusive/separate Radwege anzulegen. Ziel dieser Strategien ist es, die Fahrtzeiten zu verkürzen und eine geringere körperliche Anstrengung zu gewährleisten, so dass das Fahrrad zu einer wettbewerbsfähigen Verkehrsalternative wird.

Sicherheit: Eine gute Radverkehrsinfrastruktur muss sowohl die soziale als auch die Verkehrssicherheit gewährleisten. Es ist notwendig, den Stress und die Schadstoff- und Lärmbelastung zu reduzieren, um die persönliche Gesundheit im Straßenverkehr zu gewährleisten und vor allem, um neue Menschen zu gewinnen, die sich für das Radfahren interessieren, aber immer noch besorgt sind und Angst vor den Bedingungen haben. Um dies zu erreichen, funktionieren Radwege besser, wenn sie nicht parallel zu stark befahrenen Hauptstraßen verlaufen, sondern in Straßen mit niedriger Geschwindigkeit in der Nachbarschaft. Darüber hinaus machen Radwege, die physisch von der Straße getrennt sind, das Radfahren sicherer. Um das Risiko von Zusammenstößen zu minimieren, ist der Bau von Tunneln und Brücken an Kreuzungen mit starkem Verkehr und Hochgeschwindigkeitsstraßen ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Bequemlichkeit: Das Streben nach Komfort ist ein menschlicher Instinkt. Das Ziel der Radverkehrspolitik ist es, das Radfahren zu einem angenehmen Erlebnis zu machen. Um dies zu erreichen, müssen die Planer berücksichtigen, dass die Radfahrer der Ausgangspunkt für die Strategien und die Infrastruktur sind: Fahrräder haben in der Regel keine Federung, sind menschengesteuerte Fahrzeuge und erfordern einen Balanceakt. Um eine komfortable Situation zu gewährleisten, ist es unerlässlich, Stopps und Beeinträchtigungen im Netz zu minimieren. Außerdem ist es wichtig, glatte Bürgersteige zu schaffen, die Vibrationen und Höhenunterschiede reduzieren. Und schließlich ist ein gutes und intuitives Beschilderungssystem erforderlich, um die Angst vor dem Verlorengehen zu vermeiden und die Wegfindung zu optimieren.

Attraktivität: Es ist bekannt, dass eine ästhetisch angenehme und qualitativ hochwertige bauliche Umgebung die Fahrradaktivität in einem Gebiet fördert. Dazu gehört die Schaffung von grünen und offenen Bereichen, in denen die Straßen ruhig und gut gepflegt sind. Das Vorhandensein von Vegetation und Wasser zieht Radfahrer an. Daher müssen bei der Planung der Infrastruktur unangenehme Bedingungen wie verstopfte und verschmutzte Straßen, die das Sicherheits- und Gesundheitsempfinden beeinträchtigen, unbedingt vermieden werden.

Clips für 5 Gestaltungsprinzipien: https://www.youtube.com/results?search_query=Five+Design+Principles+for+Bicycle+Infrastructure

Planung des Netzes

Nicht alle Wege führen nach Amsterdam, aber mit einer so fortschrittlichen Fahrradinfrastruktur gibt es viele Wege, die man zu seinem Ziel nehmen kann! Genau darum geht es bei der Netzplanung: verschiedene Verkehrsträger und Geschwindigkeiten auf eine Vielzahl von Wegen aufzuteilen, damit Menschen aller Altersgruppen und Fähigkeiten ihre Schule, ihre Arbeit und ihren Freizeitort sicher erreichen können. Großartige Radverkehrsnetze wie das von Delft wurden als zusammenhängende Kreuzung dreier Netze je nach Länge, Geschwindigkeit und Zweck geplant: (1) das Stadtnetz (Rasterweite: 400 bis 600 Meter) für Streckenlängen von zwei bis drei Kilometern. (2) das Bezirksnetz (Maschenweite: 200 bis 300 Meter) für Fahrten von ein bis zwei Kilometern. Und (3) das Nachbarschaftsnetz (Maschenweite: 100 bis 150 Meter) für Fahrten von 500 Metern bis zu einem Kilometer. Diese Netze sind mit sicheren Kreuzungen und Fahrradabstellanlagen verbunden.

Bewährte Praktiken: Netzplanung: https://fietsberaad.nl/getmedia/2baa6cfc-19f8-4eb3-9dcf-d77e54cd67e5/Best-Practices-Dutch-Cycling-9-Network-Planning.pdf.aspx?ext=.pdf

Gestaltung von Kreuzungen

„Ein Netz ist so stark wie sein schwächstes Glied“, so lässt sich die Bedeutung von Kreuzungen für die Radverkehrsplanung wohl am besten beschreiben. Man kann die beste Infrastruktur der Welt bauen, aber wenn sie aufhört, wenn Radfahrer sich der Kreuzung nähern, wird die gesamte Fahrt weniger sicher und komfortabel. Glücklicherweise haben niederländische Designer im Laufe der Jahre großartige Beispiele für den sicheren Umgang mit Kreuzungen entwickelt. An regulären Kreuzungen, an denen Ampeln erforderlich sind, können zwei Maßnahmen kombiniert werden, um die Kapazität und den Verkehrsfluss an einer Kreuzung zu erhöhen, ohne sie komplett umzugestalten. Erstens: Verkleinerung der Verkehrsinseln, die Radfahrer von motorisierten Fahrzeugen trennen, um mehr Platz zum Warten zu schaffen. Zweitens: Verbreiterung des Querungsweges für Radfahrer und damit Neufärbung der Linien auf der Straße auf der anderen Seite der Kreuzung.

In besonderen Situationen können einige Kreuzungen zu Kreisverkehren umgestaltet werden: Radfahrer haben eine getrennte Infrastruktur, Fußgänger haben getrennte Gehwege, und die Kurve ist groß genug, um Autos, Busse und größere Fracht- und Servicefahrzeuge aufzunehmen. Um den Komfort zu erhöhen, haben Fußgänger und Radfahrer in Kreisverkehren oft Vorrang vor Autos. Gut geplante Kreisverkehre können den gleichen Platzbedarf haben wie normale vierarmige Kreuzungen, obwohl die Übergänge für Fußgänger und Radfahrer viel kürzer sind.

Bewährte Praktiken: Gestaltung von Kreuzungen: https://fietsberaad.nl/getmedia/9f8d625d-501e-4f49-ac6c-ebe481d5a87e/Best-Practices-Dutch-Cycling-4-Intersections.pdf.aspx?ext=.pdf

Fahrradparken

Wenn eine Fahrradtour zu Ende geht, ist es am wünschenswertesten, das Fahrrad an einem sicheren Ort abzustellen. Überall in den niederländischen Städten findet man Fahrradständer, aber angesichts der wachsenden Zahl von Radfahrern scheint das nie genug zu sein. In den letzten Jahren haben sich die Gemeinden in den Niederlanden an einer Art „Wettrüsten“ beteiligt: Sie haben die größten, intelligentesten und innovativsten Fahrradabstellanlagen geschaffen, und auch die Unternehmen können bei der Bereitstellung von Abstellmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter und Kunden mitspielen.

Bei der Planung und Gestaltung einer Fahrradabstellanlage sind die Sicherheit, die Zugänglichkeit und die Nähe zum Zielort von entscheidender Bedeutung. In den Niederlanden bieten die meisten Bahnhöfe, an denen immer mehr Fahrräder abgestellt werden, kostenlose überdachte Abstellmöglichkeiten an. Auch bewachte Einrichtungen sind in den ersten 24 Stunden kostenlos. Die Verwaltung dieser Einrichtungen ist ein Schlüsselelement für ihren Erfolg.

Bewährte Praktiken: Parken: https://fietsberaad.nl/getmedia/16ed5663-5b96-45af-9a9b-9b1ac2dfa81a/Best-Practices-Dutch-Cycling-7-Parking.pdf.aspx?ext=.pdf

Vom Pop-Up zur Dauereinrichtung

Da das Fahrrad ein immer beliebteres Verkehrsmittel wird, ist es üblich, dass Pendler größere Entfernungen zurücklegen. Aus diesem Grund werden in den Niederlanden und in Europa Radwege mit hohem Standard gebaut, die dem schnellen und direkten Pendeln über lange Strecken vorbehalten sind. Nach Angaben der European Cyclist‘ Federation (ECF) gehören zu den Kriterien für schnelle Radwege:

Sie müssen mindestens fünf Kilometer lang sein.
Sie müssen sowohl vom motorisierten Verkehr als auch von Fußgängern getrennt sein.
Häufige Stopps und steile Anstiege sind zu vermeiden, und leichte Steigungen sind zu bevorzugen.
Regelmäßige Wartung und Dienstleistungen wie öffentliche Beleuchtung, Tankstellen usw.
Die Entwicklung von Radschnellwegen erfolgt zu einer Zeit, in der städtische Zentren mit allgemeinen Herausforderungen wie Verkehrsstaus und Umweltverschmutzung konfrontiert sind. Die großen Urbanisierungsprobleme zwingen die Planer dazu, neue Alternativen und Lösungen zu finden. Dies fällt mit neuen Trends im Fahrradsektor zusammen, darunter E-Bikes, öffentliches Bike-Sharing und die Lieferung von Waren mit Lastenrädern. Da immer mehr Menschen immer öfter längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen und dabei schneller fahren, ist ein Ausbau der Fahrradinfrastruktur erforderlich: schnelle Radwege.

Verweis auf ECF (European Cyclists‘ Federation): https://ecf.com/what-we-do/urban-mobility/fast-cycling-routes

Bewährte Praktiken: Radschnellwege: https://fietsberaad.nl/getmedia/b84f436d-6a4b-4f4e-b3cc-2c8a976e2128/Best-Practices-Dutch-Cycling-6-Cycle-Highways.pdf.aspx?ext=.pdf

Wegweiser

Was passiert, wenn ein Radfahrer an einer Kreuzung ankommt? In welche Richtung soll man abbiegen? Nach links oder nach rechts? Genau hier kommen gute Wegeleitsysteme ins Spiel: Schilder, Markierungen und Tafeln weisen den Radfahrern den Weg und leiten die Nutzer auf der Route. Die besten Wegeleitsysteme sind so intuitiv, dass man sie kaum wahrnimmt, aber sie helfen, sicher und bequem ans Ziel zu kommen. Eine gute Beschilderung ist ebenso wichtig wie ein nummeriertes Kreuzungsnetz. In letzter Zeit hat sich der Fahrradroutenplaner in Mobiltelefonen zu einer guten Ressource entwickelt!

Bewährte Praktiken: Wegfindung: https://fietsberaad.nl/getmedia/6b3ac0ca-f7d9-49cb-b070-9c40d489fe3c/Best-Practices-Dutch-Cycling-8-Wayfinding.pdf.aspx?ext=.pdf

https://dutchcycling.nl/expertises/cycling-infrastructure/