Oulu : Nahezu alle Ampeln sind mit Radar oder Detektoren ausgestattet, um Fuß- und Radverkehr schneller grünes Licht zu geben

  1. Fahrrad- und Fußgängerinfrastruktur

In Oulu, der Welthauptstadt des Winterradsports, können Sie 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Fahrrad fahren. Wo ist der Haken? In den 1960er Jahren wollte ein Beamter der Verkehrsabteilung die Fahrradinfrastruktur in der Stadt ausbauen, obwohl damals das goldene Zeitalter des Autoverkehrs herrschte.

Das Ergebnis: über 860 km Radwege auf einer Fläche von 3100 m2 für eine Bevölkerung von 300 Tausend Menschen.

Ursprünglich wurden in Oulu gemeinsam genutzte Radwege mit einer Breite von 3,5-6 Metern gebaut. Aufgrund der großen Anzahl von Radfahrern erwies sich diese Infrastrukturlösung als ineffizient: Fußgänger fühlten sich unwohl und unheimlich, und Radfahrer konnten nicht richtig beschleunigen. Es sieht so aus, als ob sich an der Fahrbarkeit nicht viel ändern würde, wenn wir in der russischen Stadt alle Bürgersteige auf 4-6 Meter ausbauen und sie als gemeinsam genutzte Radwege bezeichnen. Jetzt baut die Stadtverwaltung von Oulu nach und nach die Infrastruktur um, indem sie die Rad- und Fußgängerwege trennt – teilweise durch Rasenflächen und den Autoteil der Straße. Außerdem arbeitet Oulu daran, Kreuzungen sicherer und komfortabler zu machen.

Die meisten Radwege sind von der Straße getrennt: Einer führt direkt über das Eis der Ostsee zum Flughafen (der auch zum Schlittschuhlaufen und Skifahren genutzt wird). Es gibt weitaus mehr Fahrrad- und Fußgängerbrücken als Autobrücken! Das Verkehrssystem nutzt oft Unterführungen als Kreuzung mit der Straße, so dass Radfahrer nicht an Kreuzungen anhalten müssen. Alles ist so konzipiert, dass möglichst wenige Stopps auf der Strecke erforderlich sind. Alle Radwege sind in einem einzigen Netz verbunden und nicht unterbrochen.

Das Stadtzentrum ist für Radfahrer und Fußgänger gedacht. Es gibt einen großen Parkplatz für Autos mit 900 Plätzen unter der Erde. Das Stadtzentrum hat wenig Autoverkehr, und alle Autofahrer fahren mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h und haben immer Vorfahrt für Radfahrer. Wenn an Fußgängerüberwegen keine Autos stehen, müssen Radfahrer nicht absteigen und werden nicht bestraft.

In Wohnvierteln gibt es keine Durchgangsstraßen für Autos – sie sind durch einen 30 Meter langen Radweg abgetrennt (er verbietet den Autofahrern einfach die Durchfahrt, während sie in den Hof gelangen können), und die Fahrgeschwindigkeit ist auf 10-20 km/h begrenzt. Infolgedessen gibt es in Wohnvierteln nur wenige Autos, was das Radfahren bequem und sicher macht.

Es kann auch eine andere Lösung geben: Ruhige/langsame Straßen werden zu Fahrrad- und Fußgängerstraßen, aber gleichzeitig können sie von Autofahrern genutzt werden, um mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h nach Hause zu fahren. In solchen Straßen haben Radfahrer und Fußgänger Vorrang vor Autofahrern. Es kann auch Fußgängerwege geben, auf denen Radfahrer absteigen müssen, und umgekehrt – Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern haben.

Fahrradabstellanlagen gibt es überall, aber nicht alle sind nutzbar. In Finnland ist es üblich, ein Radschloss zu verwenden, das das Hinterrad blockiert: Wenn das Fahrrad eine Trittstufe hat, kann es überall abgestellt werden, ohne dass ein Fahrradparkplatz vorhanden ist! Allerdings werden Fahrräder oft gestohlen. Deshalb ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen und ein Rahmenschloss zu verwenden. Übrigens gibt es spezielle Fahrradabstellanlagen mit einem Kettenschloss, das durch den Rahmen/die beiden Räder geht (wenn es lang genug ist) und das Fahrrad am Fahrradständer befestigt.

Die Fahrradinfrastruktur umfasst auch geschützte Fahrradabstellplätze in der Nähe der Häuser und Fahrradabstellplätze in der Nähe von Schulen und öffentlichen Plätzen.

Trotz dieser Erfahrung und der entwickelten Fahrradinfrastruktur müssen Fahrradaktivisten und die Verkehrsabteilung ständig beweisen, wie wichtig die Entwicklung der Fahrradinfrastruktur ist, und für jeden neuen Meter Fahrradweg, für eine sorgfältige Wartung, für bequeme Fahrradabstellplätze, für einfache Verkehrsregeln usw. kämpfen.

  1. Wartung der Radwege

Die Technik für die Instandhaltung der Radwege im Winter ist recht interessant und einfach: Der Schnee wird gerammt und der Überschuss mit einer Schaufeldüse entfernt, um die Straßenoberfläche rutschfest zu machen. Diese Oberfläche ermöglicht das Fahren auch mit Sommerreifen. Während der Tauwetterperiode entfernen sie den geschmolzenen Schnee und streuen Kies oder manchmal Sand. Wegen der schädlichen Auswirkungen auf den Straßenbelag, die Schuhe und das Fahrrad selbst wird überhaupt kein Salz verwendet. In Oulu werden für die Instandhaltung der Radwege spezielle Maschinen mit einer Schaufelbreite von 2,5-3 m und 1,8 m eingesetzt.

Alle Rad- und Fußgängerwege sind nach Priorität in drei Klassen eingeteilt. Die Reinigung beginnt mit der ersten Klasse, dann folgen die zweite und dritte. Das gleiche System wird für die Autobahnen verwendet. Die „Schneepolizei“ in Oulu arbeitet 24 Stunden und 7 Tage die Woche. Sobald ein Mitarbeiter der Stadtreinigungsfirma feststellt, dass der Schneefall mehr als 3 cm hoch (Klasse 1) und 6 cm hoch (Klasse 2) ist, drückt er den Notrufknopf – und die Mitarbeiter machen sich daran, die Straßen der Stadt zu reinigen. Die ganze Stadt ist in 13 Bereiche unterteilt, und ein Wartungsunternehmen ist für einen Bereich zuständig. Wenn das Unternehmen schlecht reinigt, wird es mit einem Bußgeld belegt. Die Bürgerinnen und Bürger können auf der Website ein Feedback zur Qualität der Reinigung abgeben. Dutzende von Mitarbeitern in den 13 Wartungsfirmen von Oulu sorgen dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mit verschiedenen Verkehrsmitteln bequem durch die Stadt bewegen können.

  1. Veranstaltungen

Über 70 % der Bevölkerung fahren im Sommer und etwa 30 % im Winter mit dem Fahrrad. Gemeinnützige Organisationen, die von der Verwaltung unterstützt werden, fördern das Fahrrad als Verkehrsmittel durch verschiedene thematische Veranstaltungen und Aktionen, die immer mehr Menschen dazu bringen, das ganze Jahr über Fahrrad zu fahren. Finnland hat sogar ein nationales Mannschaftsspiel – KILOMETRIKISA. Man schließt sich mit 3-4-5 Personen zusammen oder nimmt aus einer Organisation (Unternehmen, Universität usw.) teil. Das Ziel ist es, gemeinsam so viele Kilometer wie möglich zu fahren. Das Ergebnis ist allgemein: Die durchschnittliche Kilometerzahl pro Team und alle Daten zu den Zwischenergebnissen werden auf der Website angezeigt. Das Spiel findet in zwei Phasen statt – im Winter und im Sommer. Oulu hat eine interessante Aktion ins Leben gerufen, um die Zahl der Radfahrer im Winter zu erhöhen: Jeder, der verspricht, jeden Tag mit dem Fahrrad zu fahren, erhält Laternen, einen Satz Winterreifen und Helme (laut der Umfrage haben Frauen Angst, auszurutschen und zu stürzen). Die Teilnehmer fahren drei Monate lang Fahrrad und berichten über ihre Ergebnisse auf der Website. Nach der Durchführung der Aktion im Jahr 2016 ergab die Umfrage, dass die meisten Teilnehmer bereit sind, im nächsten Winter mindestens genauso viel Rad zu fahren.

4. SMART City System und Green Wave System für Rettungsfahrzeuge

Finnische Städte sind an das SMART-City-System angeschlossen – alle Kreuzungen sind mit Bewegungssensoren, Radargeräten und Ampeln ausgestattet, die es ermöglichen, die Verkehrssignale über ein Programm zu steuern und eine bequeme Fortbewegung in der Stadt zu ermöglichen.

Oulu hat bereits das Green Wave-System für Rettungsfahrzeuge installiert. Das System ermöglicht es den Einsatzfahrzeugen (Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei), ohne Zwischenstopps am Einsatzort anzukommen. Der Fahrer braucht nur das Blinklicht einzuschalten. Bewegungssensoren, Radargeräte und Kameras reagieren auf die Signale des Fahrzeugs und machen den Weg im Voraus frei, indem sie die grüne Welle an der Ampel aktivieren.

  1. Interessante Fakten
  • Vier von fünf Bürgern fahren regelmäßig mit dem Fahrrad.
  • In Oulu ist das Fahrrad doppelt so beliebt wie im finnischen Durchschnitt.
  • Mythen über die Regeln in Finnland: Der Helm wird empfohlen, ist aber nicht vorgeschrieben! Winterreifen und andere Fahrbedingungen im Winter sind ebenfalls erfunden. Sie können genauso Fahrrad fahren wie im Sommer, denn alles Notwendige ist vorhanden.
  • Das Recyclingzentrum repariert und restauriert Fahrräder. Hier können Sie alle Ersatzteile und gebrauchte Fahrräder für 20 € kaufen.
  • Die Fahrradstationen. Wir haben eine besucht, aber dort wurden alle Fahrradwerkzeuge gestohlen, außer der Pumpe. Das Design der Fahrradstation ist interessant genug, denn das Fahrradwerkzeug befindet sich in einer Box, die es vor Regen schützt. Die Pumpe wird mit dem Fuß betätigt und ist mit dem Ständer selbst kombiniert.
  • Eine erstaunliche Vielfalt an Fahrrädern. Wir sahen Lastenfahrräder, Kinderwagenfahrräder, Promo-Bikes, Dreiräder… eigentlich für jeden Geschmack und Bedarf! Es gibt auch eine Menge „verbeulter“ alter Fahrräder. Das ist nicht verwunderlich, denn in Oulu ist das Fahrrad schon lange kein Verkehrsmittel mehr!