Amsterdam : gekrümmte Verkehrsinsel, die die Radfahrer weiterhin schützt, aber viel weniger Platz einnimmt

Mr. Visser Square

Grund für die Intervention

In Fahrradstädten wie Amsterdam wird mehr Platz für Radfahrer benötigt. Besonders an Kreuzungen, wo Radfahrer auf eine rote Ampel warten müssen, kann es sehr eng werden. Es können jedoch zwei Maßnahmen kombiniert werden, um mehr Kapazität und einen besseren Verkehrsfluss an einer Kreuzung zu schaffen, ohne sie komplett umzugestalten. Erstens: Verkleinerung der Verkehrsinseln, die Radfahrer von motorisierten Fahrzeugen trennen, um mehr Platz zum Warten zu schaffen. Zweitens: Verbreiterung des Querungsweges für Radfahrer und damit Neufärbung der Linien auf der Straße zur anderen Seite der Kreuzung.

Zielsetzung

Um mehr Platz und einen besseren Verkehrsfluss für Radfahrer an Kreuzungen zu schaffen, begannen die Planer zu untersuchen, wie die Kreuzungen tatsächlich von Radfahrern genutzt werden, eine so genannte Wunschlinienstudie. Anhand dieser Studie, die das Verhalten der Radfahrer aufzeigt, sollte die Gestaltung der Kreuzung nach Möglichkeit zugunsten dieses Verhaltens angepasst werden. Der Visser-Platz war die erste Kreuzung, an der die Stadtverwaltung diese Maßnahmen umsetzte, um Staus zu bekämpfen und den Radverkehr während der Hauptverkehrszeiten zu fördern. Jetzt werden diese Maßnahmen an vielen weiteren Kreuzungen in ganz Amsterdam durchgeführt.

Ausgewählte Maßnahmen

Mehrere Verkehrsinseln wurden entfernt oder verkleinert. Dadurch entstand ein neues Verkehrsphänomen: die Banane. Die Banane ist eine gekrümmte Verkehrsinsel, die die Radfahrer weiterhin schützt, aber viel weniger Platz einnimmt. So entsteht der dringend benötigte Platz für Radfahrer, die auf eine Ampel warten. Eine zweite Maßnahme ist die Bündelung von Radfahrern, auch bekannt als frietzak (Pommesbude). Um möglichst viele Radfahrer bei grüner Ampel auf die andere Seite der Kreuzung zu bekommen, wird die Radspur neben der Ampel verbreitert. Damit wird dem natürlichen Verhalten der Radfahrer entsprochen, das bereits in den Studien vor dem Entwurfsprozess gezeigt wurde. Unmittelbar nach der Ampel wird der Radfahrstreifen verengt und wieder auf seine ursprüngliche Größe reduziert.

Gelernte Lektionen

  1. Um mehr Platz für Radfahrer (und Fußgänger) zu schaffen, muss die Stadt einige grundlegende Änderungen vornehmen. In Anbetracht der (politischen) Probleme, die dies (im Jahr 2016) mit sich bringen würde, beschloss die Stadt Amsterdam, zunächst zu prüfen, was innerhalb des derzeitigen Rahmens möglich ist.
  2. Maßnahmen, die zu komplex wären und daher einen zügigen Prozess verzögern würden, wurden vermieden. Aus diesem Grund wurde keine der 50 km/h-Straßen in 30 km/h-Straßen umgewandelt, und es wurden auch keine Straßenbahnmasten oder große überhängende Ampeln versetzt (auch weil dies ein teures Unterfangen ist).
  3. Es gibt mehr Maßnahmen als nur die „Banane“ oder die „Tüte Pommes“. Es ist das gesamte Paket möglicher allgemeiner Maßnahmen in einer Kombination, die eine Kreuzung wirklich verbessert.
  4. Diese physischen Maßnahmen sind immer mit einer Optimierung der Ampelschaltung für Radfahrer verbunden – wenn die Radfahrer weniger Rotlicht-Zeit bekommen, ist weniger Platz für wartende Radfahrer erforderlich.

Quelle (PDF):

https://fietsberaad.nl/getmedia/9f8d625d-501e-4f49-ac6c-ebe481d5a87e/Best-Practices-Dutch-Cycling-4-Intersections.pdf.aspx?ext=.pdf